Exposure Berlin

Die internationale Theaterproduktion Exposure Berlin versetzt die Besucher ins Berlin der „Goldenen 20er Jahre“. International hochkarätig besetzt, aufgeführt in drei Sprachen, nehmen Orchester und Ensemble von Exposure Berlin die Zuschauer mit auf eine wilde Reise quer durch die Zeit von Surrealismus und Absinth, Stummfilmen und Orchester-Musik, Hosenanzügen und Bubiköpfen.

Dabei bringt „Per Aspera Productions“ zeitgenössisches Theater und Videokunst mit neuen Kompositionen avantgardistischer Musik zusammen. Die passende Kulisse für diese Produktion bildet das einzig original erhaltene Stummfilmkino Berlins: Das ehemalige Stummfilmkino Delphi. Wer es wissen will, wie es sich anfühlt, als Bohemien im Berlin der 20er Jahre zu leben, besucht Exposure Berlin – und wird es wissen!

 
 
 
 

Eine Reise durch Surrealismus und Stummfilm

BEGLEITET VON DER FRAGE, WARUM MÄNNER UND FRAUEN SO SIND, WIE SIE SIND UND ES GEFÄHRLICH WIRD, WENN SIE EINMAL MORDSMÄßIG AUS DER HAUT FAHREN.

Die Revue der 20er Jahre, ein bis auf den letzten Ton glitzernd gespaltener Regenbogen, blendend tanzende Nebel, die zündende Klarheit des Alkohols – und mittendrin stolpert ein Paar, zu spät, ein bisschen übergeschnappt, uneins, was da nicht am rechten Platz ist: Hut oder Partner.

Dann fallen plötzlich Bomben oder die Würfel, auf jeden Fall wird eine Entscheidung getroffen: Die Frau hat mit einmal die Hosen an und dem Mann bleibt dann, das Kinderkriegen, 40.049 Mal.

Derart radikale Emanzipation ist noch immer Utopie. Menschen im Großen wie im Kleinen werden von den Geburtswehen dieser Utopie heute durchzuckt wie damals und dabei stellt sich nicht nur die Frage, was aus den Revolutionen der Altvordern geworden ist, sondern, wer die Marschrichtung jetzt vorgibt dort, wo Revolution gemacht wird. Wozu wird verführt, wer sich seinen Kopf nicht selbst zerbricht, verflucht, sucht und neu erfindet?

Zu einem Maskenspiel mit Träumen und Gespenstern, das am Ende vielleicht nur Narren, Spieler und Janusköpfe gewinnen können? In einem pfeifenden Showdampfkessel surreal sich verschiebender Rollenbilder und Kleiderschimmer. In Sprach- und Klangwelten, die im dadaistischen Ausfallschritt zu tanzen beginnen.

Dank des lautmalerischen Zungenspitzengefühls verschmelzen zu diesem Tanz auf dem Vulkan Text und Gesang auf fantastische Weise mit dem dafür komponierten Crossover aus neuer Musik und Chanson.

Inspiration aus den 1920er Jahren

Die spielerische Aufhebung von Geschlechterrollen war in Guillaume Apollinaires Stück „Les Mamelles de Tiresias“ 1917 als Thema so neu, dass er das “Surrealismus” nannte, in eine ganz neue Kunstrichtung damit vorauseilend.
Inzwischen ist aus aufsehenerregendem Rollenspiel die öffentlich wie privat selbstbestimmte, individuelle Gestaltung des Geschlechtslebens geworden. Damit könnten die Europäer ihre verlorene künstlerische Avantgarde nun wiederbeleben als kulturelle und zwar im Austausch mit Staaten wie Russland, mit denen wirtschaftlich längst auf Augenhöhe verhandelt wird.

Angesichts solcher und anderer bevorstehender Werteverschiebungen sucht „Exposure Berlin“ den schmalen Grat zwischen Ermächtigung und Machtverluste in Momenten, da die Welt Kopf steht.
Zum einen holt „Exposure Berlin“ den Geist der surrealistischen Textvorlage mit klassischen Surrealisten der Bildkunst wie André Breton und Salvador Dali ein und taucht in die Geschichte des ehemaligen Stummfilmkinos Delphi mit der Ästhetik von Filmen wie Das Cabinet des Dr. Caligari. Zum anderen zeigt sich darin zugleich die kreative Energie der 20er Jahre als Kehrseite eines gefährlichen Vakuums, das im Handlungsspielraum einer jeden Emanzipationsbewegung immer gefüllt werden will.

Die Vielfalt der Stimmen in solchen Prozessen, das Überraschende neuer Forderungen und das rauschende Wesen sich ständig fortschreibender Parolen fängt Antoine Hummel in seinen federleichten Sprachwechseln mit französischen, deutschen und englischen Worten jonglierend. Es sind Schlagworte für das, was in der Luft liegt – wie bei Revolutionen üblich, die neuerdings um die Welt gehen in Radio, TV und via Livestream.